Natürlich ist der Titel sehr plakativ und vielleicht auch etwas vermessen. Mit Design die Welt verändern? So ein Quatsch! Oder vielleicht doch nicht?

In der dreiteiligen Reihe „Mit Design die Welt verändern“ gehe ich der Frage auf den Grund, was Designer für eine bessere Welt beitragen können, ohne alles immer „nur schön zu machen“. Denn Design entwickelt sich gerade zu einer strategisch-analytischen Disziplin, die wesentlich mehr kann als gestalten. Im ersten Teil beleuchte ich den aktuellen Designbegriff und erkläre mein Verständnis davon.

Was ist Design?

Zuerst sollten wir einen Blick auf das Wort „Design“ werfen. Mittlerweile hat es nämlich einen negativen Beigeschmack bekommen und wird als Aufwertung für vermeintliche Premium-Produkte oder -Dienstleistungen verwendet – z.B. „Designermöbel“ oder „Nageldesign“. Es wird eine umgangssprachliche Assoziation von Design im Sinne von oberflächlichen Styling hervorgerufen, die dem Begriff aber in keiner Weise gerecht wird.

Design ist keine Maßnahme der ästhetischen Aufwertung, sondern ein vielschichtiger Begriff, der über die reine Gestaltung hinausgeht.

Ich verstehe Design als ganzheitlichen, lösungsorientierten Prozess. Der (verantwortungsbewusste) Designer gestaltet heutzutage nicht mehr nur die visuelle Aspekte, sondern auch Konzepte, Strategien, Prozesse und Worte. Der Designprozess wird dadurch interdisziplinär und durch Designmethoden wie „Design Thinking“ auch in anderen Branchen immer populärer. Design wird in seiner Komplexität von vielen Bereichen beeinflusst und braucht gleichzeitig den Input von außen, um wirken zu können.
Design ist ein wechselseitiger Prozess. Es steht immer im Austausch mit der Welt, der Kultur, der Gesellschaft.

Der Designprozess vereint Kultur, (visuelle) Kunst, Handwerk, Kommunikation, Technisches Know-how und Sozialwissenschaft und drückt sich durch Gestaltung bzw. Formgebung aus. Als Designer brauche ich immer ein Verständnis der Zusammenhänge und Strukturen um mich herum.

Design ist eine Schnittstelle von vielen Disziplinen und Fähigkeiten.

Designer brauchen Fingerspitzengefühl für eine klare Kommunikation.

Dabei sollte der Designer nicht nur die gegenwärtige Lage im Blick haben, sondern braucht auch eine gewisse Kenntnis über Ereignisse der Vergangenheit und kulturell gewachsene Symbolik. So könnte z.B. eine Kombination der Farben Rot, Weiß und Schwarz ungewollte Assoziationen mit dem Dritten Reich hervorrufen. Ein roter Stern wird durch unsere Geschichte mit dem Kommunismus und der RAF verbunden.

Letztendlich sind alle Farben, Formen, Symbole oder auch Schriftarten mit irgendeiner Bedeutung aufgeladen. Jedoch unterscheiden sich die Interpretationen von Kulturkreis zu Kulturkreis. Was in der westlichen Welt gilt, kann z.B. im asiatischen Raum eine ganz andere Bedeutung haben.
Der Designer sollte mit Fingerspitzengefühl vorgehen, welche Botschaft er vermittelt. Denn wir wissen alle aus dem Deutschunterricht in der Schule, was Paul Watzlawick einst treffend formulierte:

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“

Paul Watzlawick

Nicht umsonst werden Grafik- und Webdesign mittlerweile unter dem Begriff Kommunikationsdesign zusammengefasst. Wir – die Designer – kommunizieren hauptsächlich zwischen den Zeilen. Kommunikationsdesign spricht das Unterbewusstsein an, wirkt mit Emotionen und lenkt durch eine bestimmte Haltung.
Schon allein mit dieser Erkenntnis wird klar, welche Verantwortung (Kommunikations-) Designer haben und wie sie damit ein Werkzeug in der Hand haben, die Welt zu verändern.


Im nächsten Teil der Reihe geht es um die Wirkung von Design und welche Softskills der Designer von heute braucht, um in einer komplexen Welt zu agieren.

Was ist Design? – Mit Design die Welt verändern (1)
Wie wirkt Design? – Mit Design die Welt verändern (2)
Design als Werkzeug – Mit Design die Welt verändern (3)

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